Ob und in welchem Maße sie auftreten, ist zwar sehr stark vom Einzelfall abhängig, aber immer lässt sich gegen die schwere Übelkeit etwas tun. Sprechen Sie mit uns über Ihre Beschwerden.
Moderne Medikamente können den Signalweg für die Entstehung des Brechreizes an unterschiedlichen Stellen hemmen. Bevor diese Medikamente eingesetzt werden, ist es allerdings notwendig zu wissen, warum und wann genau die Beschwerden auftreten:
Von akuten Beschwerden sprechen Ärzte immer dann, wenn das Erbrechen wenige Stunden nach einer Chemotherapie auftritt.
Verzögerte Beschwerden verursachen einen Brechreiz mehr als 24 Stunden nach der Chemotherapie – meist dann, wenn der Patient denkt, bereits alles hinter sich zu haben.
Besonders tückisch sind die so genannten antizipatorischen Beschwerden. Dabei handelt es sich letztlich um „erlernte“ Beschwerden, die erst nach einigen Chemotherapie-Zyklen auftreten. Der Patient reagiert auf bestimmte optische oder Geruchsreize, die er im Rahmen einer Chemotherapie kennengelernt hat, mit Übelkeit und Erbrechen. Unter Umständen reicht schon der Anblick eines weißen Arztkittels oder der typische
„Krankenhausgeruch“ aus, um die Beschwerden auszulösen. Nicht eine vorangegangene Chemotherapie
ist Ursache für die Beschwerden, der Patient hat sie vielmehr aufgrund bekannter Begleitumstände „erahnt“, fachsprachlich ausgedrückt: antizipiert.
Natürliche Schutzreaktion
Viele Chemotherapeutika wirken auf Zellen, die sich besonders schnell teilen, denn charakteristisch für die meisten Krebszellen ist ihre hohe Teilungsrate. Allerdings gibt es in unserem Körper auch gesunde Gewebe, deren Zellen sich schnell und regelmäßig erneuern, beispielsweise die Zellen der Dünndarmschleimhaut. Durch eine Chemotherapie werden auch diese Schleimhautzellen geschädigt. Sozusagen als Abwehrreaktion schütten diese daraufhin den Signalstoff Serotonin aus. Serotonin – von Ärzten häufig auch als 5-HT3 bezeichnet – bindet an bestimmte Rezeptoren, die daraufhin aktivierende Signale an das so genannte Brechzentrum im Gehirn leiten. Der so ausgelöste Brechreiz soll dafür sorgen, dass die schädigende Substanz schnellstmöglich aus dem Körper entfernt wird.
Individuelle Unterschiede
Die Signalkette vom Rezeptor in der Darmschleimhaut bis zum Brechzentrum im Gehirn vermittelt offenbar die akute und die verzögerte Übelkeit nach einer Chemotherapie. Allerdings kommen wohl noch andere Faktoren hinzu, die bis heute nicht ganz verstanden sind. Junge Frauen beispielsweise sind von akuten und verzögerten Beschwerden besonders betroffen, in erster Linie dann, wenn besonders hohe Dosen in kurzen Zeitabständen eingesetzt werden. Aber auch auf das konkrete Chemotherapeutikum kommt es an: Ohne vorbeugenden medikamentösen Schutz löst Cisplatin bei neun von zehn Patienten heftiges Erbrechen aus. Beim Vincristin dagegen ist lediglich einer von zehn Patienten betroffen.
Angst als Verstärker
Auch bei der antizipatorischen Übelkeit wird das Brechzentrum aktiviert, allerdings ohne die Ausschüttung von Signalstoffen in der Dünndarmschleimhaut. Zugrunde liegt letztlich die Erfahrung des einzelnen Patienten, dass eine Chemotherapie zwangsläufig Übelkeit zur Folge hat. Die Angst vor der Übelkeit verstärkt zusätzlich die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens.
Wenn die antizipatorische Übelkeit auftritt – und das ist bei etwa einem von drei Chemotherapiepatienten der Fall –, dann immer erst als Folge von akuten oder verzögerten Beschwerden, vorzugsweise bei besonders ängstlichen Patienten. Die beste Vorbeugung gegen antizipatorische Beschwerden ist deshalb die erfolgreiche Behandlung von akuter beziehungsweise verzögerter Übelkeit.
Anti-Emetika zur (vorbeugenden) Behandlung
Die für die Behandlung der Übelkeit verfügbaren Medikamente werden als Anti-Emetika bezeichnet. Sie können einzeln oder in Kombination gegeben werden. Bekannte Anti-Emetika sind beispielsweise Metoclopramid oder die 5-HT3-Blocker Ondansetron und Granisetron. Letztere blockieren die Signalübertragung durch das Serotonin. Auch angstlösende Medikamente kommen – vorzugsweise bei der Behandlung der antizipatorischen Übelkeit – zum Einsatz. Sie sollen neben psychologischen Verfahren helfen, den Teufelskreis
„Übelkeit – Angst – Übelkeit“ zu durchbrechen.
Das können Sie selbst tun: