Krebszellen entstehen nach einem immer ähnlichen Muster, gleichgültig ob es sich um einen Organtumor oder eine Bluterkrankung handelt. Der Bauplan der Zelle wird derart geschädigt, dass die Zelle ihre eigentlichen Funktionen verliert und sich unkontrolliert und unaufhörlich teilt. Wenn diese Störung im Bauplan einer Leberzelle auftritt und die Reparaturmechanismen des Körpers diese Schäden nicht beheben respektive die betroffene Zelle nicht abtöten können, wird daraus Leberkrebs. Tritt der Schaden in Zellen anderer Organe auf, ist das der Ursprung für Brust-, Darm- und andere solide Tumoren.
Sind dagegen Zellen des sogenannten lymphatischen Systems betroffen, bildet sich ein malignes Lymphom, eine bösartige Schwellung von Lymphknoten. Je nach Lokalisation und Entwicklungsstand der betroffenen Zelle können maligne Lymphome in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten, beispielsweise als Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL), als Follikuläres Lymphom oder auch als Multiples Myelom. Wissenschaftler unterscheiden derzeit mehr als 40 verschiedene maligne Lymphome.
Drainage- und Reinigungssystem
Maligne Lymphome entstehen immer aus Zellen des lymphatischen Systems, von Experten als Lymphozyten bezeichnet. Sie bilden eine Unterklasse der weißen Blutkörperchen und reifen im Laufe ihrer Entwicklung zu Superspezialisten der Immunabwehr heran. Die B-Lymphozyten oder kurz B-Zellen entwickeln sich bei einer Infektion zu Antikörper-produzierenden B-Plasmazellen. T-Lymphozyten sind wichtig für die Steuerung der Immunreaktion. Eine spezielle T-Zell-Unterklasse ist zudem in der Lage, Virus-infizierte oder irreparabel geschädigte Körperzellen abzutöten.
Da die Bedrohung durch Infektionserreger allgegenwärtig ist, ist auch das lymphatische System über den gesamten Organismus verteilt. Lymphatisches Gewebe findet sich in der Haut ebenso wie in der Lunge und im Darm.
Untereinander verbunden sind die lymphatischen Gewebe über das Lymphgefäßsystem. In ihm fließt eine eine farblose Flüssigkeit, die Lymphe. Etwa zwei Liter Lymphe bildet der Körper täglich. Sie sickert aus den kleinsten Gefäßen des Blutkreislaufs zunächst in die umgebenden Gewebe, um nach einiger Zeit – beladen mit Zelltrümmern, Infektionserregern und Abfallstoffen, aber auch mit Lymphozyten – ins Lymphgefäßsystem eingeschwemmt zu werden.
Die Lymphe und die Lymphbahnen sind also gewissermaßen das Drainagesystem des Körpers, mit dem das Gewebe von Abfallstoffen und körperfremden Substanzen befreit wird.
Lymphknoten sind die Arbeitsstätten von Lymphozyten
Bevor die Lymphflüssigkeit wieder in den Blutkreislauf zurückgeleitet werden kann, muss sie sozusagen gereinigt werden. Das geschieht in den Lymphknoten. Hunderte von ihnen sind in das Geflecht der Lymphbahnen eingeschaltet. Im ganzen Körper finden sich größere Gruppen von Lymphknoten, so am Hals, unter der Achsel, in der Leiste, aber auch im Körperinnern.
Die bohnenförmigen Lymphknoten sind normalerweise nur wenige Millimeter bis zu etwa einem Zentimeter dick. Wenn Infektionserreger in den Körper eingedrungen sind, vermehren sich die Lymphozyten in ihnen schlagartig, um die Abwehrbereitschaft zu erhöhen. In der Folge werden die Knoten deshalb größer und verhärten sich.
Zu Krebszellen entartete Lymphozyten teilen sich unablässig und lassen deshalb die Lymphknoten anschwellen. Mediziner sprechen in solchen Fällen von bösartigen Lymphknotenschwellungen oder – fachsprachlich – von Malignen Lymphomen.
Viele verschiedene Maligne Lymphome
Maligne Lymphome können aus geschädigten B- oder T-Lymphozyten entstehen. Allerdings entarten nicht nur die B- oder T-Zellen selbst, sondern auch ihre jeweiligen Vorläuferzellen. Allein aus diesem Grund existieren mehr als zehn unterschiedliche B- und T-Zelllymphome (siehe Abbildung). Wenn man dann noch berücksichtigt, an welchen Orten des lymphatischen Systems – beispielsweise im Knochenmark oder in den Schleimhäuten des Verdauungstraktes – ganz spezielle maligne Lymphome auftauchen, dann wächst die Zahl der definierbaren B- oder T-Zelllymphome leicht auf mehr als 40.
Die genaue Unterscheidung ist von wesentlicher Bedeutung für die Behandlungsstrategie. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang ist die Teilungsgeschwindigkeit der geschädigten Lymphozyten. Maligne Lymphome mit sehr schnell sich teilenden Zellen werden unter dem Etikett hoch maligne oder aggressiv, solche mit langsam sich teilenden Zellen als niedrig maligne oder indolent (das heißt: keine Schmerzen verursachend) zusammengefasst.
Daneben existiert mit den sogenannten Hodgkin-Lymphomen eine weitere Klasse maligner Lymphome. Sie waren die ersten in der Medizin identifizierten bösartigen Lymphdrüsenschwellungen. Der Londoner Pathologe Thomas Hodgkin beschrieb sie erstmals 1832. Ihr Erkennungszeichen sind unter dem Mikroskop sichtbare Riesenzellen, die entstehen, wenn entartete Lymphozyten miteinander verschmelzen. Alle malignen Lymphome, bei denen diese Riesenzellen nicht entstehen, werden deshalb auch als Non-Hodgkin-Lymphome oder kurz NHL bezeichnet.
Gewebeuntersuchung bringt Klarheit
Entscheidend für die genaue Charakterisierung eines malignen Lymphoms sind zusammengefasst also folgende Kriterien:
All diese Fragen lassen sich nur mit einer sorgfältigen und aufwändigen Untersuchung des verdächtigen Gewebes beantworten. Außerdem werden in der Regel zusätzlich Knochenmarkproben aus beiden Beckenkammknochen entnommen. Mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Computer- und Kernspintomographie oder auch der Positronen-Emissionstomographie (PET) lässt sich außerdem feststellen, wie weit sich das Lymphom möglicherweise ausgebreitet hat.
Vier Stadien
Welche Therapie in welcher Intensität eingesetzt wird, ist zusätzlich vom Stadium der Erkrankung abhängig. Maligne Lymphome werden in vier Stadien eingeteilt:
Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweiß oder plötzliche Gewichtsabnahme gelten als weitere Risikofaktoren. Diese sogenannten B-Symptome fließen ebenfalls in die Stadienbeurteilung mit ein: der entsprechenden Beurteilung wird gegebenenfalls der Buchstabe b hinzugefügt. „Stadium IIIb“ bedeutet demnach, dass maligne Lymphome auf beiden Seiten des Zwerchfells nachweisbar sind und der Patient zusätzlich über B-Symptome klagt.