Dr. med. Helmut Forstbauer
Priv.-Doz. Dr. med. Carsten Ziske
Dr. med. Ruth Reihs
Dr. med. Ernst Rodermann
Andreas Diel

„Wer viel Fleisch isst, bekommt eher Krebs“

„Wer viel Fleisch isst, bekommt eher Krebs“

Die Überschrift dieses Beitrags steht in Anführungszeichen, weil sie nicht aus unserer Redaktion stammt, sondern weil wir sie aus der von deutschen Ärzten gern gelesenen Ärztezeitung zitieren.

Die Zeitung referiert unter diesem Titel die Ergebnisse einer wichtigen Studie, in der Daten von etwa einer halben Million anfangs gesunder US-Amerikaner ausgewertet wurden.

Fleischkonsum und Krebsrisiko

In den acht Jahren der Beobachtungszeit entwickelten etwa 54.000 der Studienteilnehmer einen bösartigen Tumor, und die Forscher gewannen wichtige Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Krebsrisiko: Wer pro Tag etwa 180 Gramm Rind-, Schweine- oder Lammfleisch zu sich nahm, hatte in dieser Studie ein um etwa 24 Prozent höheres Risiko an Dickdarm- oder Enddarmkrebs zu erkranken als derjenige, der seinen Fleischkonsum auf etwa 30 Gramm pro Tag beschränkte.

Auch der Konsum von „verarbeitetem Fleisch“ – also gekochtem oder geräuchertem Schinken, Salami oder anderen Wurstwaren – bedeutete in dieser Studie ein um 20 Prozent höheres Darmkrebsrisiko. Auch das Lungenkrebsrisiko stieg in der Gruppe der Vielfleisch-Esser an: beim Verzehr von rotem Fleisch um 20, beim Verzehr von verarbeitetem Fleisch um 16 Prozent.

Einschränkungen

Allerdings können die Untersucher nicht ausschließen, dass auch andere Lebensstil-Gewohnheiten für den Anstieg des Krebsrisikos verantwortlich gewesen sein könnten. Welchen Anteil das Rauchen oder das Übergewicht der Studienteilnehmer hatten, wird in der Studie nicht wirklich klar. In der englischen Original-Publikation heißt es zum Schluss daher einschränkend, die Ergebnisse unterstützten die Annahme, dass die Reduzierung des Fleischkonsums zu einer Verringerung unterschiedlicher Krebserkrankungen führen könne. Eine sehr viel zurückhaltendere Schlussfolgerung also als die Überschrift zu diesem Beitrag vermuten lässt.

Schlussfolgerung

Drei wichtige Schlussfolgerungen ergeben sich aus dieser hier nur exemplarisch vorgestellten Studie:

1. Es ist wichtig und sinnvoll, Krebsrisikofaktoren zu kennen und sie wo immer möglich zu minimieren.

2. „Ernährung und Krebs“ ist ein sehr komplexes Thema, das sich nicht mit Hilfe nur einer Studie abschließend darstellen lässt.

3.  Es macht in der Medizin so gut wie nie Sinn, das eigene Verhalten nur aufgrund von einzelnen Studienergebnissen radikal umzustellen.

Ernährung ist ein Teil unseres Lebensstils, und dieser hat insgesamt Einfluss auf unsere Krankheitsanfälligkeit. Wer sich etwas Gutes tun und seine Gesundheit fördern will, der kann mit der schrittweisen Umstellung seines Lebensstils eine Menge tun. 

Lebensstilanpassung

Die Vielzahl der dazu veröffentlichten Studien kann man nach jetzigem Stand des Wissens in folgende Ratschläge „übersetzen“:

  • Nehmen Sie häufig kleinere Mahlzeiten ein.
  • Essen Sie etwa fünfmal täglich möglichst unterschiedliches frisches Obst und Gemüse.
  • Bevorzugen Sie Pflanzenprodukte aus Ihrer Region; denn die wichtigen sogenannten sekundären Pflanzenstoffe entstehen erst unmittelbar vor der Reifung; importierte Ware wird aber unreif gepflückt.
  • Verzichten Sie auf zusätzliche Vitamin- oder Mineralstoffpräparate, es sei denn, sie sind Ihnen ärztlich verordnet worden.
  • Genießen Sie zweimal pro Woche Seefisch oder Fleisch, dessen Herkunft Sie kennen.
  • Greifen Sie, falls möglich, bevorzugt zu Vollkornprodukten (gibt es auch fein vermahlen).
  • Bewegen Sie sich täglich mindestens 30 Minuten so intensiv, dass Ihnen „warm“ wird.

Für Lebensqualität gibt es kein Patentrezept. Die Einhaltung dieser Ratschläge ist keine Garantie für ein erfülltes Leben. Entscheidend ist letztlich, was Sie wollen. Uns geht es nur darum, Sie vor vorschnellen Reaktionen auf immer wieder publizierte neue Erkenntnisse zum Thema Krebs und Ernährung zu bewahren. Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, sprechen Sie uns einfach an. Gemeinsam werden wir herausfinden, was für Sie persönlich das Beste ist.

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